- Was ist Kalkwasser?
- Branntkalk, Löschkalk, Kalkmilch und Kalkwasser: die Unterschiede
- Öl-Kalk-Liniment selber machen
- Kalkwasser und Babypflege
- Eier in Kalkwasser einlegen
- Kalk im Garten und an der Wand
- Wo kann man Kalkwasser kaufen?
- Gefahren und Sicherheitshinweise
- FAQ — Häufige Fragen
Kalkwasser ist eine Drogeriezutat, die man meist beim Einstieg in die selbstgemachte Kosmetik entdeckt: es ist einer der beiden Bestandteile des Öl-Kalk-Liniments. In der Schweiz ist es zudem für eine alte Konservierungsmethode bekannt — das Einlegen von Eiern. Häufig wird es jedoch mit Branntkalk, Löschkalk oder Kalkmilch verwechselt, die weder dieselben Anwendungen noch dieselben Gefahren haben. Dieser Ratgeber erklärt, was Kalkwasser ist, wie man es verwendet und wo die Grenzen liegen.
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Was ist Kalkwasser?
Kalkwasser ist eine gesättigte wässrige Lösung von Calciumhydroxid (Ca(OH)₂), die entsteht, wenn Löschkalk in Wasser aufgelöst wird. Es liegt als klare Flüssigkeit vor, mit einem stark alkalischen pH-Wert von rund 12,4.
Mischt man Löschkalk mit viel Wasser, sedimentiert der ungelöste Anteil am Boden: dieser weisse Bodensatz ist die « Kalkmilch ». Das klare Wasser darüber ist das eigentliche Kalkwasser. Es ist eine Lösung, keine Suspension — ein Unterschied mit Folgen, denn Kalkwasser ist damit deutlich weniger konzentriert und weit weniger aggressiv als die anderen Kalkformen.
Eine bekannte Eigenschaft: Kalkwasser reagiert mit dem Kohlendioxid der Luft und bildet Calciumcarbonat — das ist der klassische « Kalknachweis » aus dem Chemieunterricht. Bläst man Atemluft hinein, trübt sich die Lösung weiss.
Branntkalk, Löschkalk, Kalkmilch und Kalkwasser: die Unterschiede
Alle vier Begriffe bezeichnen denselben Ausgangsstoff — Kalkstein — auf verschiedenen Verarbeitungsstufen. Die Verwechslung ist häufig und nicht harmlos, denn die Gefahren unterscheiden sich erheblich.
Branntkalk (CaO) — auch Calciumoxid. Entsteht durch Brennen von Kalkstein bei sehr hohen Temperaturen. Reagiert heftig mit Wasser unter starker Wärmeentwicklung. Sehr reaktiv und gefährlich, nur für landwirtschaftliche und industrielle Anwendungen.
Löschkalk (Ca(OH)₂) — auch Calciumhydroxid oder gelöschter Kalk. Entsteht, wenn Branntkalk mit Wasser « gelöscht » wird. Liegt als weisses Pulver vor. Weniger reaktiv als Branntkalk, aber weiterhin stark alkalisch.
Kalkmilch — eine Suspension von Löschkalk in Wasser: die Partikel bleiben in Schwebe, daher das milchige Aussehen. Zum Weisseln von Mauern, Baumstämmen und Hühnerställen.
Kalkwasser — der klare Teil, der sich nach der Sedimentation über der Kalkmilch bildet. Eine Lösung, deutlich weniger konzentriert und einfach zu handhaben. Das ist die Form, die in der Naturkosmetik zum Einsatz kommt.
Öl-Kalk-Liniment selber machen
Das Öl-Kalk-Liniment ist eine traditionelle Emulsion aus zu gleichen Teilen Olivenöl und Kalkwasser. Es ist ein mildes Reinigungsprodukt, seit langem für den Windelwechsel bei Babys verwendet und ebenso als Abschminkmittel geschätzt.
Rezept für das selbstgemachte Liniment
- 100 ml Bio-Olivenöl in ein sauberes, trockenes Glas geben
- 100 ml Kalkwasser hinzufügen — also genau dasselbe Volumen
- Verschliessen und kräftig schütteln, bis eine weisse, homogene Emulsion entsteht
- In eine saubere Flasche umfüllen, vorzugsweise aus Glas
Haltbarkeit: ohne Konservierungsmittel hält ein selbstgemachtes Liniment rund eine Woche bei Raumtemperatur und bis zu einem Monat im Kühlschrank. Vor jedem Gebrauch schütteln, die Emulsion trennt sich natürlicherweise. Bei verändertem Geruch oder Aussehen die Zubereitung entsorgen.
Eine Alternative ohne Selbermachen: gebrauchsfertige Liniments sind mit einem Konservierungsmittel formuliert und halten mehrere Monate. Das Öl-Kalk-Liniment bio 500 ml oder das Familienformat 900 ml ersparen die Zubereitung. Für unterwegs oder die Wickeltasche ist das 100 ml praktischer. Das ganze Sortiment finden Sie in der Kategorie Liniments.
Kalkwasser und Babypflege
Das Öl-Kalk-Liniment wird traditionell beim Windelwechsel verwendet: es reinigt sanft und hinterlässt einen schützenden Film, der den Kontakt zwischen Haut und Feuchtigkeit begrenzt.
Reines Kalkwasser wurde dagegen lange direkt auf gerötete Hautstellen aufgetragen. Diese Praxis wird heute nicht mehr empfohlen: Kinderärztinnen und Kinderärzte verweisen auf Zubereitungen, die für diesen Zweck formuliert sind. Bei anhaltenden Rötungen, Hautverletzungen oder Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, statt eine selbstgemachte Zubereitung anzuwenden.
Für die Anwendung auf Babyhaut ist ein gebrauchsfertiges Liniment vorzuziehen, das für diesen Zweck formuliert und geprüft wurde.
Eier in Kalkwasser einlegen
Das Einlegen von Eiern in Kalkwasser ist eine jahrhundertealte Konservierungsmethode, im deutschsprachigen Raum und in der Schweiz gut bekannt. Die stark alkalische Lösung versiegelt die Eierschale, was das Eindringen von Keimen erschwert und die Eier über Monate haltbar macht.
Vorgehen
Eine Lösung aus 300 bis 500 g Löschkalk in 10 Litern Wasser ansetzen, gut rühren und absetzen lassen. Frische, unbeschädigte und ungewaschene Eier — die natürliche Schutzschicht muss erhalten bleiben — in einen Steinguttopf oder ein Keramikgefäss legen und vollständig mit der Lösung bedecken. Abdecken und kühl und dunkel lagern. So halten die Eier 6 bis 9 Monate.
Wichtig: Für diese Methode braucht es Löschkalk in Lebensmittelqualität, nicht das gebrauchsfertige Kalkwasser aus der Drogerie, das für kosmetische Anwendungen abgefüllt ist. Löschkalk für diesen Zweck finden Sie in Baumärkten, Landi-Filialen und im Landhandel. Verwenden Sie ausschliesslich Eier von einwandfreier Frische, und prüfen Sie jedes Ei vor dem Verzehr.
Kalk im Garten und an der Wand
In seinen konzentrierteren Formen — Löschkalk, Kalkmilch, landwirtschaftlicher Branntkalk — hat Kalk etablierte Anwendungen im Aussenbereich. Das sind nicht dieselben Produkte wie das Kalkwasser aus der Drogerie.
Bodenkalkung: landwirtschaftlicher Kalk wird auf sauren Böden ausgebracht, um den pH-Wert anzuheben. Stark saure Böden begrenzen die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Übliche Dosierung: 100 bis 200 g pro m² je nach Säuregrad, vorzugsweise im Herbst oder Winter und fern bestehender Kulturen. Eine Bodenprobe vor der Behandlung vermeidet es, ein nicht vorhandenes Problem zu korrigieren.
Baumstämme weisseln: Kalkmilch am Stammfuss von Obstbäumen ist eine traditionelle Praxis, die die Rinde vor Temperaturschwankungen zwischen Frost und Tauwetter schützt. Mit breitem Pinsel, im Herbst oder Frühwinter.
Hühnerstall: Kalkmilch auf Wänden, Boden und Sitzstangen ist ein traditionelles Mittel zur hygienischen Reinigung, aufgrund des sehr hohen pH-Werts. Ein- bis zweimal pro Jahr, bei leerem Stall. Gegen die rote Vogelmilbe ergänzt Kieselgur als Poudrage diesen Ansatz gut.
Wände weisseln: Kalkmilch ist eine traditionelle Naturfarbe. Rechnen Sie mit 1 kg Löschkalk auf 5 bis 10 Liter Wasser je nach gewünschter Deckkraft, 24 Stunden ruhen lassen, in dünnen Schichten auf die angefeuchtete Wand auftragen. Sie ist atmungsaktiv, hemmt durch ihren hohen pH-Wert die Schimmelbildung und eignet sich für Mauern aus Stein, Backstein und alte Kalkputze. Auf Kunstharzfarbe haftet sie ohne Vorbehandlung nicht.
Ein rechtlicher Hinweis: zur Unkrautbekämpfung auf Wegen, Terrassen und befestigten Flächen fällt Kalk unter dasselbe Verbot wie andere Herbizide — siehe was in der Schweiz im Garten erlaubt ist.
Wo kann man Kalkwasser kaufen?
Gebrauchsfertiges Kalkwasser ist in Apotheken, in der Drogerie und online erhältlich. Bei Green-Shop in zwei Formaten:
- Kalkwasser 500 ml: reicht für rund 1 Liter selbstgemachtes Liniment.
- Kalkwasser 1 L: für den regelmässigen Gebrauch oder eine Familie.
Löschkalk und landwirtschaftlicher Kalk für Garten und Bau finden sich in Baumärkten, Gartencentern, Landi-Filialen und im Landhandel — das sind andere Produkte.
Gefahren und Sicherheitshinweise
Kalkwasser: die am wenigsten konzentrierte Form, das Risiko bleibt bei normalem Gebrauch gering. Längeren Haut- und Augenkontakt dennoch vermeiden. Bei Spritzern in die Augen sofort und gründlich mit klarem Wasser ausspülen.
Löschkalk und Kalkmilch: deutlich alkalischer (pH 12). Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen. Bei Augenkontakt gründlich spülen und eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Branntkalk — die eigentliche Gefahr: er reagiert heftig mit Wasser unter starker Wärmeentwicklung und kann schwere Verätzungen an Haut, Augen und Atemwegen verursachen. Dicke Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutzmaske sind Pflicht. Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Einatmen: Kalkstaub, ob von Löschkalk oder Branntkalk, reizt die Lungen. Beim Ausbringen von Kalkpulver eine Maske tragen und in gut belüfteter Umgebung arbeiten.
Kalk niemals mit einer Säure mischen — Essig, Zitronensäure: die Reaktion kann heftig verlaufen und Wärme freisetzen.
Bei versehentlichem Verschlucken oder starken Spritzern kontaktieren Sie Tox Info Suisse unter 145.
FAQ — Häufige Fragen
Wie macht man ein Öl-Kalk-Liniment selbst?
Mischen Sie zu gleichen Teilen Bio-Olivenöl und Kalkwasser — zum Beispiel je 100 ml — in einem sauberen Glas und schütteln Sie kräftig, bis eine weisse, homogene Emulsion entsteht. Ohne Konservierungsmittel hält die Zubereitung rund eine Woche bei Raumtemperatur, einen Monat im Kühlschrank.
Was ist der Unterschied zwischen Branntkalk und Löschkalk?
Branntkalk (CaO) ist reines Calciumoxid, sehr reaktiv und gefährlich: er reagiert heftig mit Wasser. Löschkalk (Ca(OH)₂) ist das Ergebnis dieser Reaktion — ein weisses Pulver, weniger reaktiv. Kalkwasser ist die Lösung, die durch Auflösen von Löschkalk in Wasser entsteht.
Ist Kalkwasser gefährlich?
Es ist die am wenigsten gefährliche Kalkform. Sein hoher pH-Wert kann bei längerem Kontakt Augen und empfindliche Haut reizen. Branntkalk dagegen ist äusserst gefährlich und erfordert vollständige Schutzausrüstung.
Kann man Kalkwasser bei einem Baby anwenden?
Reines Kalkwasser direkt aufzutragen wird nicht mehr empfohlen. Das Öl-Kalk-Liniment — die Mischung aus Olivenöl und Kalkwasser — bleibt dagegen für den Windelwechsel weit verbreitet. Bei anhaltenden Rötungen oder Hautverletzungen wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Für die Anwendung auf Babyhaut ist ein gebrauchsfertiges Liniment vorzuziehen.
Wie legt man Eier in Kalkwasser ein?
300 bis 500 g Löschkalk in 10 Litern Wasser auflösen. Frische, ungewaschene Eier vollständig in die Lösung einlegen, abdecken und kühl und dunkel lagern. So halten die Eier 6 bis 9 Monate. Dafür braucht es Löschkalk in Lebensmittelqualität, nicht das kosmetische Kalkwasser.
Wie lange ist Kalkwasser haltbar?
In der gut verschlossenen Originalflasche und lichtgeschützt hält Kalkwasser mehrere Monate. Ein leichter weisser Bodensatz ist normal: es handelt sich um Calciumcarbonat, das im Kontakt mit der Luft entsteht. Wird die Lösung trüb oder der Bodensatz stark, greifen Sie zu einer neuen Flasche.
Wie viel Kalkwasser braucht es für einen Liter Liniment?
Das Liniment wird zu gleichen Teilen angesetzt: für einen Liter Liniment rechnen Sie mit 500 ml Kalkwasser und 500 ml Olivenöl. Eine 500-ml-Flasche reicht also für einen Liter Zubereitung.



