Allantoin

Kristalline Verbindung pflanzlichen oder synthetischen Ursprungs, in der Kosmetik für Pflege empfindlicher Haut eingesetzt.

Allantoin ist eine kristalline heterozyklische Verbindung, im 19. Jahrhundert entdeckt und erstmals aus der Allantoisflüssigkeit isoliert — daher der Name. Seine INCI lautet Allantoin.

Natürlich kommt es in mehreren Pflanzen vor, besonders in der Wurzel des Beinwells, Symphytum officinale, sowie in Weizenkeim und Zuckerrübe. Zahlreiche Lebewesen bilden es zudem als Stoffwechselprodukt.

Das heute in der Kosmetik verwendete Allantoin wird synthetisch aus Harnstoff und Glyoxylsäure hergestellt. Die pflanzliche Gewinnung erlaubt weder die nötigen Mengen noch die erforderliche Reinheit, und das erhaltene Molekül ist identisch.

Begrenzte Löslichkeit

Das ist die wichtigste technische Einschränkung dieses Rohstoffs — und jene, die am meisten Enttäuschungen verursacht.

Allantoin liegt als weisses kristallines Pulver vor, dessen Wasserlöslichkeit bei Raumtemperatur bei rund 0,5 % liegt. In der Wärme steigt sie, doch beim Abkühlen kristallisiert es wieder aus.

Praktische Folge: Übliche Konzentrationen liegen zwischen 0,1 und 0,5 %; Formulierungen darüber zeigen sichtbare Kristalle oder ein körniges Gefühl.

Zum korrekten Lösen wird es unter Rühren in die erwärmte Wasserphase eingearbeitet und langsam abgekühlt. Unvollständiges Lösen zeigt sich als Bodensatz in der Flasche.

Stabilität

Das ist sein anderer, seltener erwähnter Vorzug.

Allantoin ist über einen weiten pH-Bereich stabil — etwa von 4 bis 9 —, was für einen Wirkstoff ungewöhnlich ist. Es verträgt Hitze, oxidiert nicht, färbt die Formulierung nicht und riecht nicht.

Es stört keinen gängigen Bestandteil, was es zu einem leicht in bestehende Formulierungen integrierbaren Rohstoff macht.

Allantoin und Beinwell

Eine nützliche Klarstellung.

Die Beinwellwurzel ist reich an Allantoin, und diese traditionelle Verwendung ist alt. Die Pflanze enthält jedoch auch Pyrrolizidinalkaloide, deren Verwendung in Kosmetik wie in Lebensmitteln reguliert ist.

Ein Beinwellextrakt (Symphytum Officinale Root Extract) und reines Allantoin sind daher nicht gleichwertig: Letzteres ist ein isoliertes Molekül, Ersteres ein komplexer Rohstoff mit eigenen Einschränkungen.

Anwendung in der Kosmetik

Es ist in Formulierungen für empfindliche Haut und in Babysortimenten stark vertreten: Gesichtspflege, Körperpflege, Handpflege.

Man findet es ebenso in Rasierwassern, in der Lippenpflege, in Deodorants und in After-Sun-Produkten.

Schliesslich steckt es in mancher Haarpflege für die Kopfhaut und in Zahnpasten.

Für die Eigenherstellung lässt es sich mit Basiszutaten und Hydrolaten verarbeiten, unter Beachtung der Löslichkeitsgrenze. Wie jede wasserhaltige Zubereitung verlangt es ein Konservierungsmittel.

Eine Abgrenzung

Allantoin kommt auch in Zubereitungen des pharmazeutischen Bereichs vor, mit eigenen Konzentrationen und Indikationen.

Diese Anwendungen lassen sich nicht auf ein kosmetisches Produkt übertragen, das weder dieselbe Zusammensetzung noch denselben rechtlichen Status hat. Bei einer Hautläsion oder einer behandlungsbedürftigen Störung ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.

Vorsichtsmassnahmen

Allantoin gehört zu den bestverträglichen kosmetischen Inhaltsstoffen. Reaktionen sind sehr selten, was seine Präsenz in Sortimenten für empfindliche Haut erklärt.

Als reines Pulver wird es wie jeder Rohstoff gehandhabt: Einatmen vermeiden, ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Bei einer Hautreaktion ist die Anwendung abzubrechen und ärztlicher oder dermatologischer Rat einzuholen.

Aufbewahrung

Als Pulver hält es mehrere Jahre in dicht schliessendem Gefäss, vor Feuchtigkeit und Licht geschützt. In Lösung folgt es der Haltbarkeit der Zubereitung. Ein kristalliner Bodensatz im Fertigprodukt weist auf eine Rekristallisation hin, ohne dass das Produkt deswegen verdorben wäre.

Häufige Fragen

Woher stammt Allantoin?
Es kommt natürlich in Beinwell, Weizenkeim und Zuckerrübe vor. Das kosmetisch verwendete wird synthetisch hergestellt, mit identischem Molekül.

Welche Konzentration?
Zwischen 0,1 und 0,5 %. Darüber führt die begrenzte Löslichkeit zur Kristallbildung.

Wie löse ich es richtig?
In der erwärmten Wasserphase unter Rühren, mit langsamem Abkühlen. Unvollständiges Lösen hinterlässt einen Bodensatz.

Sind Beinwellextrakt und Allantoin dasselbe?
Nein. Allantoin ist ein isoliertes Molekül. Der Beinwellextrakt ist ein komplexer Rohstoff mit Einschränkungen wegen anderer Pflanzenbestandteile.

Ist es in der Formulierung stabil?
Sehr. Es verträgt einen weiten pH-Bereich und Hitze, färbt nicht und stört keinen gängigen Bestandteil.

Eignet es sich für empfindliche Haut?
Es gehört zu den bestverträglichen Inhaltsstoffen und ist in Babysortimenten und Formulierungen für reaktive Haut weit verbreitet.