Hamamelis

Nordamerikanischer Strauch, dessen Rinde und Blätter ein Hydrolat und einen gerbstoffreichen Extrakt liefern.

Hamamelis oder Virginische Zaubernuss, Hamamelis virginiana, ist ein Strauch aus der Familie der Zaubernussgewächse, beheimatet im Osten Nordamerikas. Im Englischen heisst er witch hazel, weil seine Blätter denen der Hasel ähneln — botanisch besteht zwischen beiden keine Verwandtschaft.

Seine Besonderheit ist die Blüte mitten im Winter, von November bis Februar, wenn die gelben, bandförmigen Blüten an den kahlen Zweigen erscheinen. Angebaut wird er heute in Nordamerika und in Europa, auch als Zierstrauch.

Als Rohstoff dienen Rinde, Zweige und Blätter.

Destillat, Extrakt, Hydrolat

Die Handelsformen tragen verschiedene Namen und meinen nicht dasselbe Erzeugnis.

Das Destillat (INCI: Hamamelis Virginiana Water) entsteht durch Wasserdampfdestillation von Zweigen und Rinde. Es ist die häufigste Form, oft als Hydrolat oder Hamameliswasser bezeichnet. Wie jedes wässrige Destillat enthält es wenig Gerbstoffe, da diese bei der Destillation nicht übergehen.

Der Extrakt (Hamamelis Virginiana Extract, Bark Extract oder Leaf Extract) entsteht durch Mazeration in einem Lösungsmittel. Er konzentriert die Gerbstoffe, und seine Zusammensetzung schwankt je nach Lösungsmittel und verwendetem Pflanzenteil erheblich.

Praktisch bedeutet das: Zwei Produkte, die Hamamelis nennen, können je nach gewählter Form sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Eine Gerbstoffpflanze

Die Zusammensetzung wird von Gerbstoffen bestimmt — Hamamelitannin, Gallotannine und Proanthocyanidine —, begleitet von Flavonoiden und einem geringen Anteil ätherischen Öls.

Gerbstoffe sind Polyphenole, die sich an Proteine binden können. Daher rührt ihr adstringierender Charakter, jenes Zusammenziehen, das man auch bei lange gezogenem Tee oder tanninreichem Wein spürt. In der Formulierung bringen sie diese Empfindung mit und tragen zur Textur des Produkts bei.

Sie haben auch einen Nachteil: Gerbstoffe bräunen bei Oxidation, was die allmähliche Verfärbung von Hamamelisextrakten erklärt.

Die Alkoholfrage

Darauf lohnt sich der Blick aufs Etikett. Viele handelsübliche Hamamelisdestillate enthalten zugesetzten Alkohol, teils in beträchtlichem Anteil, als Konservierungs- und Auszugsmittel.

Die INCI nennt ihn: Alcohol, Alcohol Denat. oder Ethanol, häufig an zweiter Stelle. Alkoholfreie Varianten gibt es, sie verlangen jedoch ein anderes Konservierungssystem.

Der Unterschied ist in der Anwendung spürbar, da Alkohol das Hautgefühl und das Verhalten des Produkts verändert.

Anwendung in der Kosmetik

Hamamelis ist in Lotionen und in der Gesichtspflege stark vertreten, namentlich in Gesichtswassern. Ebenso findet er sich in der Körperpflege, in Beinpflegeprodukten, in Rasierwassern und in Deodorants.

Das Destillat wird als Hydrolat verwendet, pur oder als Wasserphase einer Emulsion, für die Eigenherstellung zusammen mit Basiszutaten. Wie jede Wasserphase verlangt es in einer Zubereitung ein Konservierungsmittel.

Vorsichtsmassnahmen

Gerbstoffe können empfindliche Haut reizen, besonders in einem konzentrierten Extrakt oder in Verbindung mit einem hohen Alkoholanteil. Vor der ersten grossflächigen Anwendung empfiehlt sich ein Test auf einer kleinen Stelle.

Hamamelis wird traditionell mit Anwendungen aus dem medizinischen Bereich in Verbindung gebracht, namentlich im venösen Bereich. Solche Anwendungen fallen nicht unter ein kosmetisches Produkt: Bei Beschwerden oder Symptomen ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.

Aufbewahrung

Das alkoholfreie Destillat ist empfindlich: kühl aufbewahren und innert sechs bis zwölf Monaten aufbrauchen; Trübung oder Bodensatz zeigen an, dass es zu verwerfen ist. Alkoholhaltige Varianten halten länger. Eine deutliche Braunfärbung weist auf eine Oxidation der Gerbstoffe hin.

Häufige Fragen

Hamamelis oder Witch Hazel?
Dieselbe Pflanze, Hamamelis virginiana. «Witch hazel» ist der englische Name, entstanden aus der Ähnlichkeit der Blätter mit denen der Hasel.

Was unterscheidet Destillat und Extrakt?
Das Destillat entsteht durch Wasserdampfdestillation und enthält wenig Gerbstoffe. Der Extrakt stammt aus einer Mazeration im Lösungsmittel und konzentriert sie.

Warum enthalten manche Produkte Alkohol?
Er dient als Konservierungs- und Auszugsmittel. Die INCI nennt ihn, oft an zweiter Stelle. Alkoholfreie Varianten gibt es.

Was ist ein Gerbstoff?
Ein Polyphenol, das sich an Proteine binden kann. Daher die adstringierende Empfindung, wie bei lange gezogenem Tee.

Warum ist mein Extrakt braun geworden?
Gerbstoffe oxidieren mit der Zeit und dunkeln nach. Das ist ein Zeichen von Oxidation.

Eignet er sich für empfindliche Haut?
Gerbstoffe können reizen, besonders im konzentrierten Extrakt oder bei hohem Alkoholanteil. Ein Test auf einer kleinen Stelle empfiehlt sich.