Lavendel
Lavendel ist ein Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler, beheimatet im westlichen Mittelmeerraum. Destilliert werden die blühenden Triebspitzen, vor allem in der Provence, daneben in Bulgarien — heute grösster Produzent weltweit —, in Spanien und in der Ukraine.
Das Wort «Lavendel» umfasst tatsächlich mehrere Arten und eine Hybride, deren ätherische Öle weder in der Zusammensetzung noch im Preis noch in der Verwendung übereinstimmen. Diese Unterscheidung ist vor dem Kauf die nützlichste.
Vier Lavendel, die man nicht verwechseln sollte
Echter Lavendel oder Feiner Lavendel (Lavandula angustifolia, INCI: Lavandula Angustifolia Oil) wächst in Höhenlagen über 800 Metern. Er ist der begehrteste, mit blumig-weichem Duft. Sein Destillationsertrag ist gering, daher der hohe Preis.
Lavandin (Lavandula × intermedia) ist eine natürliche Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel, im Flachland angebaut. Weit ertragreicher, macht er den grössten Teil der weltweiten Mengen aus. Sein Duft ist kampfriger, weniger fein. Es ist Lavandin und nicht Echter Lavendel, der die Mehrzahl der Seifen und Waschmittel parfümiert — was die Kennzeichnung nicht immer deutlich macht.
Speiklavendel (Lavandula latifolia) wächst in tieferen Lagen. Seine Zusammensetzung ist deutlich reicher an Campher und 1,8-Cineol, sein Duft schärfer.
Schopflavendel (Lavandula stoechas) wird seltener destilliert und unterscheidet sich in der Zusammensetzung spürbar von den drei übrigen.
Ein seriöses Etikett nennt stets die botanische Art. «Ätherisches Lavendelöl» ohne weitere Angabe sagt nichts darüber aus, was in der Flasche ist.
Zusammensetzung und Duft
Das ätherische Öl des Echten Lavendels wird von Linalool und Linalylacetat bestimmt, die seine kennzeichnende blumige Note tragen. Lavandin enthält sie ebenfalls, jedoch bei höherem Campheranteil — daher der härtere Duft.
Diese Moleküle, namentlich Linalool, gehören zu den deklarationspflichtigen Duftstoffallergenen. Deshalb erscheint Linalool regelmässig in den INCI-Listen lavendelparfümierter Produkte: Es handelt sich nicht um einen Zusatz, sondern um einen natürlichen Bestandteil des ätherischen Öls.
Ätherisches Öl oder Hydrolat
Das ätherische Öl ist das konzentrierte Destillat. Es wird nie pur angewendet und stets in einem Pflanzenöl verdünnt.
Das Hydrolat (Lavandula Angustifolia Flower Water) ist das Destillationswasser, das nach dem Abtrennen des ätherischen Öls zurückbleibt. Weit milder, wird es unverdünnt verwendet, als Gesichtswasser oder als Wasserphase einer Emulsion.
Anwendung in der Kosmetik
Lavendel gehört zu den meistverwendeten ätherischen Ölen der funktionellen Parfümerie. Man findet ihn in Seifen, in Badezusätzen, in Körperölen und in Haarölen und -seren.
Das Hydrolat wird als eigenständiges Hydrolat eingesetzt, für die Eigenherstellung zusammen mit Basiszutaten.
Verwendet wird er ausserdem in Wäschepflegemitteln und in Duftsäckchen, wo die ganzen getrockneten Blüten ihren Platz haben.
Anwendung in der Küche
Getrocknete Lavendelblüten in Lebensmittelqualität werden sparsam in der Patisserie und in Gewürzmischungen verwendet, etwa in manchen Varianten der Kräuter der Provence. Die Dosierung muss zurückhaltend bleiben: Das Aroma kippt rasch ins Seifige. Blüten für Dekoration oder Duftsäckchen sind nicht zum Verzehr bestimmt.
Vorsichtsmassnahmen
Ätherische Öle sind konzentrierte Erzeugnisse. Lavendelöl wird nicht pur auf die Haut aufgetragen und vor der Anwendung stets in einem Fett verdünnt.
Linalool und seine Derivate gehören zu den regulierten Duftstoffallergenen; sensibilisierte Personen sollten dies berücksichtigen. Von der Anwendung ätherischer Öle bei Kleinkindern und in der Schwangerschaft wird ohne vorgängige Beratung abgeraten. Bei laufender medizinischer Behandlung, allergischer Veranlagung oder im Zweifelsfall ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Das ätherische Öl hält mehrere Jahre in verschlossener Braunglasflasche, vor Licht und Wärme geschützt. Das Hydrolat ist als wässriges Erzeugnis weit empfindlicher: kühl aufbewahren und innert sechs bis zwölf Monaten aufbrauchen; Trübung oder Bodensatz zeigen an, dass es zu verwerfen ist.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Lavendel von Lavandin?
Lavandin ist eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel, im Flachland angebaut und weit ertragreicher. Sein Duft ist kampfriger. Er macht den grössten Teil der weltweiten Mengen aus.
Was ist Echter Lavendel?
Lavandula angustifolia, in Höhenlagen angebaut. Wegen seines blumig-weichen Dufts der begehrteste, bei geringem Ertrag und entsprechend höherem Preis.
Warum steht «Linalool» in den INCI-Listen?
Es ist ein natürlicher Bestandteil des ätherischen Lavendelöls und ein deklarationspflichtiges Duftstoffallergen. Seine Nennung bedeutet keinen synthetischen Zusatz.
Darf man das ätherische Öl pur auftragen?
Nein. Es wird vor der Anwendung stets in einem Pflanzenöl verdünnt.
Sind alle Lavendelblüten essbar?
Nein. Nur solche in Lebensmittelqualität. Blüten für Dekoration oder Duftsäckchen sind nicht zum Verzehr bestimmt.
Wie wird das Hydrolat aufbewahrt?
Kühl und vor Licht geschützt, innert sechs bis zwölf Monaten aufzubrauchen. Trübung oder Bodensatz zeigen an, dass es nicht mehr verwendet werden sollte.
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