Nelke
Nelke — genauer die Gewürznelke — stammt vom Gewürznelkenbaum, Syzygium aromaticum, auch unter dem Synonym Eugenia caryophyllus geführt, das die INCI-Nomenklatur beibehalten hat. Es ist ein Baum aus der Familie der Myrtengewächse, derselben wie Teebaum und Eukalyptus.
Ursprünglich von den Molukken in Indonesien stammend, wird er heute in Madagaskar, Indonesien, Tansania — namentlich auf der Insel Pemba — und in Sri Lanka angebaut.
Was man Gewürznelke nennt, ist keine Frucht, sondern eine Blütenknospe, vor dem Aufblühen gepflückt und an der Sonne getrocknet. Dabei nimmt sie ihre braune Farbe und die kennzeichnende Nagelform an.
Drei verschiedene ätherische Öle
Der Gewürznelkenbaum liefert je nach destilliertem Pflanzenteil drei Öle, und diese Unterscheidung ist wenig bekannt.
Das Öl der Knospe (Flower Oil oder Bud Oil) ist das feinste und begehrteste. Sein Eugenolgehalt liegt meist zwischen 75 und 85 %, sein Duft ist rund, warm und fruchtig.
Das Öl des Blatts (Leaf Oil) ist rustikaler und weit günstiger. Es ist eugenolreicher — bis zu 90 % —, sein Duft jedoch herber, mit ausgeprägter phenolischer Note. Aus ihm gewinnt die Industrie isoliertes Eugenol.
Das Öl des Stiels (Stem Oil), aus den Blütenstielen destilliert, liegt dazwischen.
Ein seriöses Etikett nennt den destillierten Pflanzenteil. Fehlt die Angabe, ist der Preis oft der beste Anhaltspunkt: Knospenöl kostet deutlich mehr.
Eugenol
Das ist die Verbindung, die die Nelke ausmacht. Eugenol stellt den weit überwiegenden Teil des ätherischen Öls, begleitet von Eugenylacetat und Beta-Caryophyllen.
Es ist ein Phenol — eine chemische Familie, die als dermokaustisch gilt, also die Haut in hoher Konzentration reizen oder verätzen kann. Das erklärt, weshalb ätherisches Nelkenöl zu den am strengsten eingeschränkten Ölen des Sortiments gehört.
Eugenol steht zudem auf der Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffallergene. Es erscheint daher namentlich in den INCI von Produkten, die es über dem Schwellenwert enthalten.
Anwendung in der Kosmetik
In einem Pflanzenöl verdünnt, findet sich das ätherische Öl in Seifen und Badezusätzen, wo seine würzige Note geschätzt wird.
Man begegnet ihm in traditionellen Zahnpasten und Mundspülungen sowie in manchen Reinigungsprodukten. Es gehört zu den ätherischen Ölen der Parfümerie für orientalische und holzige Akkorde.
Die Verdünnungsraten müssen sehr tief bleiben — deutlich tiefer als bei Lavendel oder Teebaum.
Anwendung in der Küche
Das ist die verbreitetste Verwendung. Ganze Nelken würzen Brühen, Marinaden, Glühwein und Eingemachtes. Gemahlen gehören sie in zahlreiche Gewürzmischungen: Vierbrand, Garam Masala, Lebkuchengewürz.
Ihre Würzkraft ist beachtlich: Ein bis zwei Nelken genügen für ein ganzes Gericht, und ein Zuviel wird rasch erdrückend.
In eine Zwiebel oder eine Zitrusfrucht gesteckt, dienen sie auch als traditionelles Insektenabwehrmittel.
Vorsichtsmassnahmen
Ätherisches Nelkenöl ist dermokaustisch. Es wird niemals pur auf die Haut aufgetragen, auch nicht punktuell, und eignet sich nicht für Zubereitungen mit üblicher Verdünnungsrate.
Von seiner Anwendung bei Kleinkindern, in Schwangerschaft und Stillzeit wird abgeraten. Auf Schleimhäute darf es nicht aufgetragen werden.
Da Eugenol ein anerkanntes Kontaktallergen ist, sollten sensibilisierte Personen INCI-Listen lesen.
Nelke wird traditionell mit Anwendungen aus dem zahnmedizinischen Bereich in Verbindung gebracht. Solche Anwendungen fallen nicht unter ein kosmetisches Produkt: Bei Schmerzen oder Beschwerden ist ärztlicher oder zahnärztlicher Rat einzuholen.
Bei laufender medizinischer Behandlung, allergischer Veranlagung oder im Zweifelsfall ist vor der Anwendung ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Das ätherische Öl hält mehrere Jahre in gut verschlossener Braunglasflasche, vor Licht und Wärme geschützt. Es dunkelt mit der Zeit von hellgelb nach braun nach, ohne dass dies zwingend auf Verderb hinweist. Ganze Nelken halten zwei bis drei Jahre in dicht schliessendem Gefäss; gemahlen verlieren sie ihr Aroma binnen weniger Monate.
Häufige Fragen
Ist die Gewürznelke eine Frucht?
Nein, es ist eine vor dem Aufblühen gepflückte und an der Sonne getrocknete Blütenknospe.
Was unterscheidet Knospen- von Blattöl?
Knospenöl ist feiner, runder und fruchtiger sowie teurer. Blattöl ist eugenolreicher, aber herber im Duft.
Syzygium aromaticum oder Eugenia caryophyllus?
Derselbe Baum. Das zweite ist das von der INCI-Nomenklatur beibehaltene Synonym.
Darf man das ätherische Öl pur auftragen?
Nein, niemals. Es ist dermokaustisch und muss sehr stark verdünnt werden.
Warum steht «Eugenol» in INCI-Listen?
Es ist der Hauptbestandteil des ätherischen Öls und ein oberhalb eines Schwellenwerts deklarationspflichtiges Duftstoffallergen.
Mein ätherisches Öl ist braun geworden, ist das schlimm?
Es dunkelt mit der Zeit natürlich nach. Der Geruch bleibt der beste Anhaltspunkt für seinen Zustand.
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