Bergamotte
Die Bergamotte ist die Frucht des Bergamottenbaums, Citrus bergamia — in der INCI-Nomenklatur oft als Citrus aurantium var. bergamia geführt. Es ist eine Zitrushybride, vermutlich aus einer Kreuzung von Bitterorange mit Zitrone oder Limette hervorgegangen.
Ihr Anbau konzentriert sich nahezu vollständig auf einen Küstenstreifen Kalabriens in Süditalien, rund um Reggio. Einige Plantagen bestehen in der Elfenbeinküste und in Argentinien, doch die kalabrische Produktion bleibt massgebend und ist durch eine Ursprungsbezeichnung geschützt.
Die Frucht gleicht einer kleinen, grün bis gelben Orange. Ihr Fruchtfleisch ist zu sauer und bitter für den Verzehr: Genutzt wird die Schale.
Gewinnung
Das ätherische Öl entsteht durch Kaltpressung der Schale — traditionell von Hand, heute durch mechanische Abrasion. Der Ertrag ist gering: Für ein Kilogramm Öl braucht es rund zweihundert Kilogramm Früchte.
Das Öl ist hellgrün bis gelb, sein Duft sofort erkennbar: frisch, blumig, leicht bitter, mit einer pfeffrigen Facette. Dieses Profil hat es zu einer Säule der Parfümerie gemacht.
Bergapten: der zentrale Punkt
Das ist das technische Thema dieses Rohstoffs, und es bestimmt seine Verwendung.
Die Bergamottenschale enthält Furocumarine, darunter Bergapten — das seinen Namen eben von der Frucht hat. Diese Moleküle reagieren auf ultraviolette Strahlung und lösen auf sonnenexponierter Haut mitunter schwere Reaktionen mit dauerhafter Pigmentierung aus.
Der Bergaptengehalt der Bergamotte liegt deutlich höher als bei anderen Zitrusfrüchten. Sie ist das photosensibilisierende ätherische Öl schlechthin.
Zwei Qualitäten bestehen daher nebeneinander. Das vollständige Öl behält seine Furocumarine und darf vor einer Sonnenexposition nicht aufgetragen werden. Das furocumarinfreie Öl, FCF genannt — furocoumarin-free oder bergapten-free —, wurde durch Molekulardestillation oder UV-Behandlung davon befreit.
Seriöse Lieferanten weisen dies auf dem Etikett aus. Fehlt die Angabe, ist das Öl als photosensibilisierend zu betrachten.
Die Kosmetikgesetzgebung regelt zudem den Furocumaringehalt von Fertigprodukten, mit je nach Produktart unterschiedlichen Grenzwerten.
Zusammensetzung
Das Öl wird von Limonen, Linalylacetat und Linalool bestimmt. Die beiden Letzteren tragen die blumige Note, die die Bergamotte von den übrigen, deutlich zestiger duftenden Zitrusölen abhebt.
Da Limonen und Linalool zu den deklarationspflichtigen Duftstoffallergenen gehören, erscheinen sie namentlich in den INCI bergamotteparfümierter Produkte.
Anwendung in der Kosmetik
Die Bergamotte ist eine Säule der modernen Parfümerie. Sie bildet die klassische Kopfnote der Kölnisch-Wasser-Familie, neben Zitrone und Neroli, und steckt in einem grossen Teil der Fougère- und Chypre-Akkorde.
Man findet sie in Parfums, Seifen, in der Körperpflege und in Deodorants.
Sie gehört zu den meistverwendeten ätherischen Ölen für die Duftverbreitung und für Raumdüfte — eine Anwendung, bei der sich die Frage der Photosensibilisierung nicht stellt.
Für die Eigenherstellung wird sie in einem Pflanzenöl mit Basiszutaten verdünnt. Für jede auf die Haut aufgetragene Zubereitung ist die FCF-Variante dringend zu empfehlen.
Earl Grey
Das ist die bekannteste Verwendung. Earl-Grey-Tee ist ein mit Bergamotte aromatisierter Schwarztee, eine im 19. Jahrhundert in England aufgekommene Praxis.
Das verwendete Aroma ist Lebensmittelqualität und die Menge minimal. Ein ätherisches Öl für die Aromatherapie ist dafür nicht vorgesehen: Kosmetische und Lebensmittelqualität unterliegen unterschiedlichen Produktionsanforderungen.
Vorsichtsmassnahmen
Vollständiges ätherisches Bergamottöl ist stark photosensibilisierend. Es darf in den Stunden vor einer Sonnenexposition nicht auf die Haut aufgetragen werden, auch verdünnt nicht. Die Reaktionen können eine dauerhafte Pigmentierung hinterlassen.
Die furocumarinfreie Variante hebt diese Einschränkung auf, doch der Hinweis muss ausdrücklich auf dem Etikett stehen.
Wie jedes ätherische Öl wird es nicht pur angewendet und in einem Fett verdünnt. Von der Anwendung bei Kleinkindern und in der Schwangerschaft wird ohne vorgängige Beratung abgeraten.
Bei laufender medizinischer Behandlung — manche Medikamente erhöhen ihrerseits die Lichtempfindlichkeit —, allergischer Veranlagung oder im Zweifelsfall ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Wie alle kaltgepressten Zitrusöle oxidiert Bergamotte rascher als destillierte Öle. In gut verschlossener Braunglasflasche, kühl und vor Licht geschützt, sind ein bis anderthalb Jahre nach dem Öffnen zu veranschlagen. Ein terpentinartig gewordener Geruch weist auf ein oxidiertes Öl hin, das stärker reizt als ein frisches.
Häufige Fragen
Woher stammt die Bergamotte?
Nahezu ausschliesslich von einem Küstenstreifen Kalabriens in Süditalien, wo die Produktion durch eine Ursprungsbezeichnung geschützt ist.
Was ist Bergapten?
Ein Furocumarin der Schale, das seinen Namen von der Frucht hat. Es macht das Öl photosensibilisierend.
Was bedeutet FCF?
Furocoumarin-free: Dem Öl wurden die Furocumarine entzogen, es ist nicht mehr photosensibilisierend.
Lässt es sich im Sommer verwenden?
Die vollständige Variante nicht auf sonnenexponierter Haut. Die FCF-Variante ja. Bei der Duftverbreitung stellt sich die Frage nicht.
Kann man Bergamotte essen?
Ihr Fruchtfleisch ist zu sauer und bitter. Genutzt wird die Schale — daher stammt auch das Aroma des Earl-Grey-Tees.
Wie lange hält es?
Ein bis anderthalb Jahre nach dem Öffnen, kühl und lichtgeschützt. Ein terpentinartiger Geruch zeigt ein oxidiertes Öl an.
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