Hagebutte
Die Hagebutte ist die Frucht der Hundsrose, Rosa canina, einer Wildrose der Hecken und Waldränder Europas, Nordafrikas und Westasiens. Sie wächst wild in der Schweiz und ist an Feldrändern häufig anzutreffen.
Botanisch ist sie eine Scheinfrucht: Der rote fleischige Teil ist der Blütenboden, die eigentlichen Früchte sind die harten Nüsschen im Inneren, umgeben von feinen Härchen.
Geerntet wird nach den ersten Frösten, die das Fruchtfleisch weich machen und den Geschmack mildern.
Mehrere Rohstoffe, mehrere Verwendungen
Das ist die entscheidende Unterscheidung, und sie sorgt für Verwirrung.
Das Fruchtfleisch, reich an Vitamin C, liefert Tees, Konfitüren und Lebensmittelpulver. Das ist die traditionelle Verwendung.
Das Kernöl (INCI: Rosa Canina Seed Oil) wird aus den Nüsschen gepresst. Es ist jenes, das als Wildrosenöl gehandelt wird — eine kosmetische Verwendung, deutlich getrennt vom Fruchtfleisch.
Der Fruchtextrakt (Rosa Canina Fruit Extract) entsteht durch Mazeration des Fruchtfleischs. Er kommt in kosmetischen Formulierungen zum Einsatz und unterscheidet sich vom Öl.
Diese drei Rohstoffe haben trotz gemeinsamer Herkunft weder dieselbe Zusammensetzung noch dieselben Anwendungen.
Wildrosenöl: eine Klarstellung
Der Name führt in die Irre und verdient eine Präzisierung.
Das sogenannte Wildrosenöl stammt aus den Hagebuttenkernen, meist von Rosa canina oder Rosa rubiginosa, Letztere in Chile angebaut. Mit ätherischem Rosenöl aus den Blütenblättern von Rosa damascena hat es nichts zu tun.
Es ist ein gewöhnliches Pflanzenöl, von kennzeichnendem Rotorange durch die Carotinoide, mit recht ausgeprägtem pflanzlichem Geruch.
Seine Zusammensetzung wird von Linolen- und Linolsäure bestimmt, in ungewöhnlich hohen Anteilen — zusammen über 70 %. Diese starke Ungesättigtheit ergibt ein sehr trockenes Hautgefühl und rasche Aufnahme, macht es aber auch stark oxidationsempfindlich.
Anwendung in der Kosmetik
Das Öl findet sich in Gesichtsölen, Seren und Gesichtspflege. Ebenso in Körperölen und in Pflegeprodukten für reife Haut.
Als alleinige Fettphase wird es selten eingesetzt; seine geringe Stabilität verlangt meist die Verdünnung in einem beständigeren Öl wie Jojoba.
Der Fruchtextrakt steht in wasserhaltigen Formulierungen, denen er seine Farbfraktion und seine wasserlöslichen Bestandteile beisteuert.
Für die Eigenherstellung lässt sich das Öl mit Pflanzenölen und Basiszutaten verarbeiten. Der Zusatz eines Antioxidans wie Vitamin E ist dringend zu empfehlen.
Anwendung in der Küche
Das ist die älteste Verwendung. Getrocknete Hagebutten werden als Aufguss getrunken, allein oder in Mischung, und ergeben ein säuerliches, rotes Getränk. Sie kommen auch in Konfitüren und Gelees zum Einsatz.
Ihr Vitamin-C-Gehalt ist unter den europäischen Früchten bemerkenswert, was ihre historische Bedeutung in der kalten Jahreszeit erklärt.
Ein praktischer Hinweis: Die Härchen um die Nüsschen reizen die Schleimhäute. Selbst gemachte Zubereitungen müssen gut filtriert werden — daher auch der volkstümliche Beiname «Juckpulver».
Vorsichtsmassnahmen
Die Hundsrose gehört zu den Rosengewächsen, wie Apfel, Birne und Mandel. Wer auf diese Familie sensibilisiert ist, sollte dies berücksichtigen.
Die inneren Härchen der Frucht wirken mechanisch reizend und dürfen nicht verzehrt werden — sorgfältiges Filtrieren ist für jede Eigenzubereitung erforderlich.
Bei äusserlicher kosmetischer Anwendung wird das Öl gut vertragen. Bei einer Hautreaktion ist die Anwendung abzubrechen und ärztlicher oder dermatologischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Wildrosenöl gehört zu den empfindlichsten Pflanzenölen im Sortiment. Sein Reichtum an mehrfach ungesättigten Fettsäuren macht es sehr ranzigkeitsanfällig: Nach dem Öffnen sind rund sechs Monate zu veranschlagen, kühl und in lichtundurchlässiger Flasche. Ein ranziger Geruch zeigt an, dass es zu verwerfen ist.
Getrocknete Früchte halten ein bis zwei Jahre in dicht schliessendem Gefäss, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt.
Häufige Fragen
Hagebutte und Hundsrose — was ist der Unterschied?
Die Hundsrose ist die Pflanze, die Hagebutte ihre Frucht.
Stammt Wildrosenöl von der Rose?
Nein. Es stammt aus Hagebuttenkernen. Ätherisches Rosenöl wird dagegen aus den Blütenblättern von Rosa damascena gewonnen.
Warum ist das Öl orange?
Die Carotinoide der Kerne gehen in das unraffinierte Öl über.
Wie lange hält das Öl?
Rund sechs Monate nach dem Öffnen, kühl und lichtgeschützt. Es ist eines der empfindlichsten Pflanzenöle.
Soll man nach dem Frost ernten?
Traditionell ja: Der Frost macht das Fruchtfleisch weich und mildert den Geschmack.
Warum müssen Zubereitungen filtriert werden?
Die Härchen um die Nüsschen wirken mechanisch reizend auf die Schleimhäute.
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